SolarenergieTitelmeldung

Dormagen auf Solarkurs: PV-Masterplan für 180 städtische Gebäude

Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent des deutschen Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Die nordrhein-westfälische Stadt Dormagen will ihren eigenen Beitrag dazu leisten und drückt in Sachen Photovoltaik-Ausbau aufs Tempo. Um das Solarpotenzial auf ihren kommunalen Liegenschaften zu heben, hat die Stadt Drees & Sommer mit einem Photovoltaik-(PV)-Masterplan beauftragt. Für 180 Gebäude in rund 90 Liegenschaften entwickelt das auf Bau, Immobilien und Infrastruktur spezialisierte Beratungsunternehmen mit Hauptsitz in Stuttgart ein Gesamtkonzept inklusive technischer Erfassung, Potenzialanalyse, Machbarkeitsstudie und strategischer Priorisierung aller betrachteten Immobilien. Die Gesamtergebnisse sollen 2026 vorliegen.

Enormes Solarpotenzial auf öffentlichen Gebäuden bleibt oft ungenutzt

Schulen, Rathäuser und Gemeindezentren: Öffentliche Gebäude in Deutschland bieten enorme Kapazitäten für Photovoltaik, die oft noch ungenutzt bleiben. Einer Analyse zufolge befinden sich bundesweit lediglich 1,1 Prozent aller Solaranlagen auf den Dächern kommunaler Gebäude. Auch auf Dormagens Dächern sei das Photovoltaik-Potenzial noch sehr groß. Der PV-Masterplan sei daher ein konsequenter Schritt, um die kommunalen Liegenschaften zukunftsfähig aufzustellen und die Klimaschutzziele der Stadt zu erreichen, betonte Dr. Martin Brans, technischer Beigeordneter der Stadt Dormagen.

Fördermittel in Höhe von 330.000 Euro für PV-Anlagen in Dormagen

Die 65.000-Einwohner-Stadt im Rhein-Kreis Neuss treibt bereits seit Jahren den Klimaschutz und den Ausbau erneuerbarer Energien voran. Im Sommer 2025 erhielt Dormagen den Fördermittelbescheid über 330.000 Euro für Photovoltaikanlagen auf kommunalen Dächern und plant, diese auf einer Sportanlage in Zons, der Stadtbibliothek und zwei Schulen zu installieren. Der Photovoltaik-Masterplan soll weitere Potenziale und Umsetzungswege aufzeigen.

Ganzheitliche Analyse: Von Technik bis Dachbegrünung

Die Analyse gehe weit über die rein technische Umsetzbarkeit hinaus, erklärte Yuri Leon-Dvoryaninov, Verantwortlicher für das Projekt bei Drees & Sommer. Neben Faktoren wie Standsicherheit, elektrische Infrastruktur, Brandschutz oder Denkmalschutz werde auch die Kombination von Photovoltaik mit extensiver oder intensiver Dachbegrünung bewertet, berichtete der Fachexperte. Zusätzlich berücksichtige das Expertenteam Förderprogramme, betriebswirtschaftliche Ziele sowie Anforderungen aus dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) und der Energy Performance of Buildings Directive, einer EU-Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden.

Wirtschaftlich tragfähige Umsetzungsstrategie geplant

Das Ziel sei, eine klare und wirtschaftlich tragfähige Umsetzungsstrategie für die Stadt zu entwickeln. Neben belastbaren Aussagen zu Anlagengrößen und Investitionskosten liefere sie Informationen zu möglichen Betreibermodellen und der Amortisationszeit, führte Yuri Leon-Dvoryaninov weiter aus. Auch die bereits realisierten Anlagen und Gebäude mit laufenden Photovoltaik-Projekten würden in das Gesamtkonzept integriert. Nach der Auswertung der bestehenden Unterlagen hätten bereits die ersten Vor-Ort-Begehungen und die Analyse der potenziellen Dachflächen begonnen.

Eigenstromnutzung senkt Betriebskosten nachhaltig

In Deutschland machen die Energiekosten rund 30 Prozent der gesamten Betriebsausgaben kommunaler Gebäude aus, begleitet von hohen CO₂-Emissionen. Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden – insbesondere solchen mit hohem Tagesverbrauch wie Schulen oder Sporthallen – sind daher auch wirtschaftlich sinnvoll. Auf lange Sicht profitierten von dem PV-Masterplan nicht nur die kommunalen Liegenschaften, die den gewonnenen Strom primär für den Eigenbedarf nutzen und damit ihre Betriebskosten senken, meinte Dr. Martin Brans. Der überschüssige Strom werde ins öffentliche Stromnetz eingespeist und komme somit auch den Einwohnern der Stadt zugute. Insgesamt schätze die Stadt das PV-Potenzial auf Dormagens Dächern – sowohl öffentlichen als auch privaten – auf etwa 225.000 Megawattstunden (MWh) pro Jahr.

Gesetzliche Rahmenbedingungen begünstigen Photovoltaik-Investitionen

Die Gesamtergebnisse des Photovoltaik-Masterplans sollen 2026 vorliegen und der Stadt Dormagen als wichtige Entscheidungsgrundlage für Investitionen in Photovoltaikanlagen dienen. Neben der allgemeinen Machbarkeit prüfe das Expertenteam im Rahmen des Auftrags auch Speicherlösungen und Mieterstrommodelle. Wie bereits in einigen Bundesländern besteht auch in Nordrhein-Westfalen seit 2024 eine Solarpflicht für alle Neubauten von Nichtwohngebäuden. Im Juli 2024 wurde diese auf grundlegende Dachsanierungen bei kommunalen und landeseigenen Gebäuden ausgeweitet.

Quellen:
Viessmann Climate Solutions: Erneuerbare Energien im öffentlichen Sektor
Kom.EMS Leitfaden: Energiemanagement in Kommunen. Eine Praxishilfe, S. 60