EnergietechnikTitelmeldung

Wie ein Entwickler von Wasserstoffanlagen den eigenen Solarstrom nutzt

Energie für Wasserstoff – möglichst klimafreundlich, kostengünstig und aus eigener Kraft: Dieser Anspruch treibt ein privates Unternehmen an, das im Münsterland forscht und entwickelt, seit es 2023 seinen Standort im Umfeld des Bioenergieparks Saerbeck aufgebaut hat. Die Betreiber setzen nicht nur auf erneuerbare Quellen aus der Umgebung, sondern erzeugen einen großen Teil ihres Stroms direkt auf dem Dach. Ein regionaler Energiedienstleister hat dafür ein maßgeschneidertes Solarprojekt realisiert.

Die Installation der PV-Module erfolgte per Ost-West-Aufständerung. Foto: Simone Reukauf / Köster Energie
Die Installation der PV-Module erfolgte per Ost-West-Aufständerung. Foto: Simone Reukauf / Köster Energie

In der Debatte um die Energiewende gilt grüner Wasserstoff längst nicht mehr als Zukunftsmusik. Viele Fachleute sehen in ihm eine Schlüsselkomponente, um schwankende Erzeugung aus Sonne und Wind zu puffern und industriegeeignete Prozesse zu versorgen. Beim Unternehmen aus Pisa, das im Münsterland eine Niederlassung betreibt, steht die Weiterentwicklung der sogenannten AEM‑Elektrolyse im Mittelpunkt: Ein Verfahren, das mit Wasser und regenerativ erzeugtem Strom Wasserstoff produziert – ohne nennenswerte Emissionen und mit hohem Reinheitsgrad.

Am Saerbecker Standort entstehen vor allem Prototypen und Anwendungen im mittleren Leistungsbereich, die bisher vor allem aus Universitäten oder industriellen Pilotanlagen bekannt sind. Doch die Anlage zieht Spezialisten aus verschiedenen Ländern an und gilt unter Branchenkennern als Anschauungsort für praktischen Einsatz und Entwicklung.

Die Solarkabel wurden UV-geschützt in metallischen Kanälen verlegt. Foto: Simone Reukauf / Köster Energie
Die Solarkabel wurden UV-geschützt in metallischen Kanälen verlegt. Foto: Simone Reukauf / Köster Energie

Ein entscheidender Grund für die Ansiedlung war für die Verantwortlichen die Nähe zum Bioenergiepark. „Klimafreundliche Energiegewinnung war von Beginn an unser wichtigstes Kriterium“, erläutert der Energiemanager. Der Strom, den das Unternehmen für Forschung und Betrieb benötigt, kommt so aus einer Mischung von Wind, Sonne und Biogas.

Das ehrgeizige Ziel, vollständig auf regenerative Quellen zu setzen, wurde erreicht – zumindest auf dem Papier. Gleichzeitig wuchs der Wunsch, einen Teil des Bedarfs selbst zu decken. Besonders im Testbetrieb der eigenen Elektrolyseure entsteht ein hoher, kontinuierlicher Strombedarf. Die Lösung? Eine große Photovoltaikanlage auf dem eigenen Flachdach.

Die neue PV-Anlage wurde in die bereits vorhandene Blitzschutzanlage auf dem Dach eingebunden. Foto: Simone Reukauf / Köster Energie
Die neue PV-Anlage wurde in die bereits vorhandene Blitzschutzanlage auf dem Dach eingebunden. Foto: Simone Reukauf / Köster Energie

Der lokale Dienstleister, der Erfahrung mit der Planung und Installation von PV‑Anlagen inklusive Speicherlösungen hat, erarbeitete ein Konzept, das exakt auf den Bedarf zugeschnitten wurde. Anfang 2025 gingen 1.442 Module mit insgesamt rund 2.800 Quadratmetern Fläche ans Netz. Die Spitzenleistung liegt bei 630 Kilowattpeak, und mehr als 600.000 Kilowattstunden Solarstrom sollen jährlich erzeugt werden – rund die Hälfte des eigenen Bedarfs.

Um eine greifbare Vorstellung zu geben, vergleicht der Projektleiter die Produktionsmenge mit dem Verbrauch typischer Haushalte: Würde man den erzeugten Strom ausschließlich privat nutzen, könnte er rechnerisch über 130 Vier‑Personen‑Haushalte versorgen. Das zeigt nicht nur die Dimension des Projekts, sondern auch, wie viel Energie für industrielle Testprozesse nötig ist.

Matthias Lapke (r.), Energiemanager von Enapter, Ulf Köster (M.) und Thorsten Schultheis (l.) von Köster Energie begutachten die Fortschritte der Installation der PV-Anlage. Foto: Simone Reukauf / Köster Energie
Matthias Lapke (r.), Energiemanager von Enapter, Ulf Köster (M.) und Thorsten Schultheis (l.) von Köster Energie begutachten die Fortschritte der Installation der PV-Anlage. Foto: Simone Reukauf / Köster Energie

Im Vergleich zu vielen anderen PV‑Vorhaben sind einige Details technischer Natur besonders: Weil der Transport von Gleichstrom über große Dachflächen verlustbehaftet und teuer ist, wurden die Wechselrichter möglichst nah an den Modulen installiert – in sogenannten PV‑Sheltern direkt auf dem Dach. So spart man Kabelwege und reduziert Verluste. Ein einziges dickes Wechselstromkabel führt schließlich in das sogenannte „Powerhouse“, eine Technikzentrale, in der die Energie gebündelt und verteilt wird.

Rechnet man den vermiedenen Strom aus fossilen Quellen in CO₂‑Äquivalente um, ergibt sich eine Einsparung von rund 425 Tonnen pro Jahr – ein nicht unerheblicher Beitrag für den Klimaschutz. Und auch beim Geld rechnet sich die Investition: Zwar steht eine endgültige Bilanz noch aus, doch nach Unternehmensangaben soll sich die Anlage in etwa vier Jahren amortisieren. Das senkt die laufenden Kosten deutlich und stärkt die wirtschaftliche Basis des Wissenschaftsstandorts.

Die 1.442 PV-Module haben eine Gesamtfläche von 2.815 Quadratmetern und in der Spitze eine Leistung von 630 kWp. Foto: Simone Reukauf / Köster Energie
Die 1.442 PV-Module haben eine Gesamtfläche von 2.815 Quadratmetern und in der Spitze eine Leistung von 630 kWp. Foto: Simone Reukauf / Köster Energie

Ein mindestens ebenso gewichtiger Punkt neben Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit ist die Versorgungssicherheit. Der Bioenergiepark hat mehrmals im Jahr geplante Abschaltungen, die bislang mit Dieselgeneratoren überbrückt wurden – eine Lösung, die zwar praktisch, aber alles andere als nachhaltig ist. Deshalb plant das Unternehmen, moderne Akkusysteme zu integrieren, um Solarstrom zwischenspeichern und netzunabhängig abrufen zu können. Dafür arbeitet man erneut eng mit dem regionalen Energiedienstleister zusammen; entsprechende Technik soll noch 2026 installiert werden.

Sämtliche PV Module und ihre Unterkonstruktionen liegen ohne Befestigungen bzw. Bohrungen auf dem Dach auf. Leichte Ballastierungen sorgen für die sichere Platzierung der Elemente. Foto: Simone Reukauf / Köster Energie
Sämtliche PV Module und ihre Unterkonstruktionen liegen ohne Befestigungen bzw. Bohrungen auf dem Dach auf. Leichte Ballastierungen sorgen für die sichere Platzierung der Elemente. Foto: Simone Reukauf / Köster Energie

Die Zusammenarbeit zwischen Anlagenentwickler und Solardienstleister geht aber noch weiter. Geprüft wird, die PV‑Kapazitäten auf weiteren Dachflächen auszubauen und zusätzliche Speicher zu installieren. Damit soll nicht nur der Eigenbedarf gedeckt werden, sondern auch eine Ladeinfrastruktur für E‑Mobilität – sowohl für Mitarbeitende als auch für externe Nutzer auf dem Gelände. Die dafür nötigen Planungskonzepte liegen bereits vor; die Umsetzung könnte zeitnah starten.

www.koester-energie.de
enapter.com/de