Freiflächenphotovoltaik: Solarpark Weltersburg-Guckheim erhält EEG-Zuschlag
Die Energieversorgung Mittelrhein (evm) hat für ihren geplanten Solarpark Weltersburg-Guckheim in der aktuellen Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur einen Zuschlag nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz erhalten. Das Projekt, das auf der ehemaligen Tongrube „Erna-Marie“ in der Verbandsgemeinde Westerburg (Rheinland-Pfalz) realisiert werden soll, gehört zu den rund 260 Vorhaben, die sich in einem stark überzeichneten Verfahren mit über 600 Bewerbern durchgesetzt haben.
Projektparameter und Ertragsprognose
Die geplante Anlage erreicht eine installierte Leistung von rund 16 Megawattpeak (MWp). Der prognostizierte Jahresertrag liegt bei etwa 17 Millionen Kilowattstunden, was einer bilanziellen Versorgung von über 13.000 Haushalten entspricht. Errichtung und Inbetriebnahme sind für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen.
Mit dem EEG-Zuschlag sind die Vergütungskonditionen für die Stromvermarktung langfristig gesichert. Für Projektverantwortlichen Markus Behr von der evm ist das die Voraussetzung für den Eintritt in die konkrete Umsetzungsphase: Genehmigungsverfahren, Ausführungsplanung und Vergabe der Bauleistungen können nun strukturiert vorangetrieben werden.
Bergbaufolgefläche als Standortvorteil
Der Standortentscheidung kommt aus fachlicher Sicht besondere Bedeutung zu. Die Tongrube „Erna-Marie“ wurde über rund 100 Jahre industriell genutzt und anschließend verfüllt. Als klassische Bergbaufolgefläche erfüllt das Gelände die planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Freiflächen-Photovoltaikanlage ohne Inanspruchnahme landwirtschaftlich genutzter Böden – ein Aspekt, der in der aktuellen Diskussion um die Flächenkonkurrenz zwischen Landwirtschaft und erneuerbaren Energien zunehmend gewichtig wird.
Die Verfüllung des ehemaligen Grubengeländes schafft zudem eine weitgehend ebene, tragfähige Grundlage für die Modulaufständerung, was den Erschließungsaufwand gegenüber unbearbeiteten Freiflächen reduziert. Herausforderungen bei der Gründung, die aus der Setzungsproblematik verfüllter Bergbaugelände entstehen können, sind im Rahmen der Ausführungsplanung zu adressieren.
Strategische Einordnung
Das Projekt steht im Kontext der langfristigen Erzeugungsstrategie der evm: Das Regionalversorgungsunternehmen verfolgt das Ziel, bis 2035 den Stromverbrauch seiner Privat- und Gewerbekunden vollständig durch regional erzeugte erneuerbare Energie zu decken. Freiflächen-Photovoltaik auf Konversionsflächen wie Bergbaubrachen ist dabei ein wesentlicher Baustein – sie ermöglicht vergleichsweise schnelle Realisierungszeiten bei begrenztem Konfliktpotenzial mit anderen Flächennutzungen.
Für die betroffenen Ortsgemeinden Weltersburg und Guckheim ist neben dem regionalwirtschaftlichen Effekt auch die kommunale Beteiligung nach § 6 EEG relevant, die Anlagenbetreibern vorschreibt, Kommunen im Umkreis von 2,5 Kilometern um den Anlagenstandort mit 0,2 Cent je eingespeister Kilowattstunde zu beteiligen. Bei einem Jahresertrag von 17 Millionen Kilowattstunden entspricht das einer jährlichen Zahlung von bis zu 34.000 Euro an die betroffenen Kommunen – eine in strukturschwachen ländlichen Räumen nicht unerhebliche Einnahmequelle.
Der Solarpark Weltersburg-Guckheim illustriert, wie Bergbaufolgeflächen im ländlichen Raum einen doppelten Beitrag leisten können: zur Energiewende und zur Reaktivierung brachliegender Industrieareale.

